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Lichtblicke 2012

Die angeführten Erfolge sind teilweise, aber nicht immer, auf Initiative von VDS-Mitgliedern zustandegekommen. Sie zeigen aber, wie sich das Bewußtsein zugunsten der deutschen Sprache ändert. Der Erfolgskalender wird von Stephanie Wichert (lichtblicke @ vds-ev.de) geführt.

Sander Consulting in Cuxhaven ruft in seinem Netzauftritt: „Schluss mit DENGLISCH!“
„Wörter wie claimen, canceln oder Implementierung haben NULL Wirkung auf Ihre Zuhörer! Kommen Sie zurück zur einfachen Sprache und entfernen Sie sich nicht weiter von Ihren Kunden! Lesen und beleben Sie unser Denglisch-Lexikon!“ Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass sich immer mehr kleine Unternehmen um die Sprache bemühen.

April 2012

  • Aus insgesamt 86 Namensvorschlägen für die neue Karbener Energiegesellschaft wurde der Name „Karbenenergie GmbH“ gewählt. „Wir wollten nicht, dass sich der Name zu sehr auf eine bestimmte Form der Erneuerbaren Energien beschränkt und wollten auch keine Anglizismen, sondern einen neutral und zeitlos anmutenden Namen, den alle verstehen.“, so Bürgermeister Guido Rahn (CDU).   
  • Auf einigen Produkten der Firma ARO stehen statt der englischen Bezeichnungen wie „Vanilla Sugar“ oder „Backing Powder“ nun wieder die deutschen Namen „Backpulver“ und „Vanillezucker“, nachdem ein VDS-Mitglied der Firma geringes kulturelles Selbstbewusstsein bescheinigt und dazu aufgefordert hatte, auf klares und verständliches Deutsch zu vertrauen.   
  • Die Kampage „Fuck the diet!“ von „Du darfst“ hat so viel Widerspruch geerntet, dass die Firma die Verbraucher um neue Vorschläge in deutscher Sprache gebeten hat. Ausgewählt wurde „Diät - Ohne mich!“. Danach wurden der alte Spruch und das Video schleunigst aus dem Verkehr gezogen.
  • Hamburg ist das erste Bundesland, in dem die regionale Sprache als eigenständiges Fach im Lehrplan verankert ist und von den Schülern aktiv erlernt wird. Das Ziel ist nicht nur, das Niederdeutsche zu stärken, sondern auch, das Bewusstsein der Schüler für die sprachlichen Traditionen ihrer Heimat zu
    schärfen.
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte in ihrer Rede zur Eröffnung der Hannover Messe: „Meine Damen und Herren, das Leitthema hier heißt „greentelligence“. – Wir müssen aufpassen, dass die deutschen Erfindungen auch noch im deutschen Wortschatz auftauchen, sonst können wir bald jede neue Erfindung nur noch auf Englisch beschreiben. Das ist nicht schlecht, aber ich finde auch, so schlecht ist unsere Sprache eigentlich nicht. Unsere Vorgänger haben es auch geschafft, alles noch mit einem deutschen Namen zu belegen.“
  • Die anfänglich gebrauchte Bezeichnung „swipe“ für die schnelle und fließende Texteingabe mit dem Finger auf einem Mobiltelefon wird nun überwiegend „Fingerwisch“ genannt.

März 2012

  • Die neue Karbener Energiegesellschaft wird laut Bürgermeister Guido Rahn (CDU) „Karbenenergie GmbH“ heißen. Bei der Namenswahl ist bewusst auf Anglizismen verzichtet und statt dessen ein neutraler und zeitloser Begriff gewählt worden, den jeder verstehen kann.    
  • Die Stadtwerke Greifswald haben ihre englischsprachigen Tarife und Begriffe wie „local night“ oder „local energy“ zum 1. März 2012 in  deutsche Namen geändert. Nun gibt es z.B. „GREIFENstrom Nacht“, „GREIFENstrom Basis“, „GREIFENstrom Natur“ oder „GREIFENstrom Fix“.
  • Gastronomen in Ottensen (Hamburg) scheinen sich auf die deutsche Sprache zurückzubesinnen: auf Werbetafeln ist statt „Happy Hour“ inzwischen häufig „Frohe Stunde“ zu lesen. „Auf Deutsch klingt es einfach schöner“, so Christph Raub, Inhaber der „Rehbar“, der generell kein Freund von Anglizismen ist.
  • Der Edeka-Marktleiter im Auricher Carolinenhof, Ferdi Schulte, räumte ein, dass die Idee, englische Wörter in der eigenen Werbung einzusetzen, keine gute Idee gewesen sei und versprach: „Die nächsten Plakate werden wieder auf Plattdeutsch sein.“ Zuvor hatte er mit Wörtern wie „Drinking“, „Playing“ und „Entertainment“ zum „Late-Night-Shopping“ eingeladen.
  • Jil Sander erklärt in einer Pressemitteilung: „Mein Traum von raffinierter, kompromissloser Mode ist so frisch wie am ersten Tag. Die Modewelt braucht klare Handschriften und authentische Stimmen. Ich werde mein Bestes tun, in diesem Chor wieder dabei zu sein.“ Das hört sich schon viel besser an als die Sätze, die sie damals äußerte: „Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muss Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“ Für diesen Sprachstil wurde sie 1997 zur „Sprachpanscherin des Jahres“ gewählt.
  • Um im Beruf weiterzukommen, lernen immer mehr Menschen die deutsche Sprache: Beim Goethe-Institut haben im vergangenen Jahr so viele Menschen Deutsch gelernt wie nie zuvor. Die Zahl der Kursteilnehmer stieg 2011 weltweit um 16.400 auf 235.000 (6,7 Prozent). Die höchsten Zuwachsraten gab es in Spanien (35 Prozent), Portugal (20 Prozent) und Italien (14 Prozent).
  • Deutsche Musik ist zurzeit sehr beliebt und erfolgreich: Im Jahr 2011 enthielt fast jedes dritte Album, das in Deutschland produziert wurde und das es in die Charts/Hitparaden schaffte, Lieder in deutscher Sprache. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie, kommentiert diese Situation mit den Worten: „Es ist offenbar wieder angesagt, bestimmte Themen in der eigenen Sprache zu erzählen. Das trifft einen Nerv der Zeit [...]“.

Februar 2012

  • Vorfahrt für deutsche Titel bei der Pop- und Rockwelle hr3: Bei der Sendung „100 pro deutsch - Die beliebtesten hr3-Hits“ werden am 3. Februar von 5 Uhr morgens bis Mitternacht ausschließlich Titel gespielt, die auf Deutsch gesungen werden.
  • Die Kampagne „Mach mit!“ des Goethe-Instituts ruft niederländische Schüler dazu auf, verstärkt die deutsche Sprache zu erlernen. Mit zwei sogenannten „Mach-mit-Mobilen“ werden ab sofort niederländische Schulen im ganzen Land angefahren, um Deutschland als modernes, dynamisches Land zu präsentieren und den niederländischen Schülern Deutsch als Fremdsprache schmackhaft zu machen.
  • Das Hamburger Abendblatt nimmt die Anglizismendiskussion rund um den Ausdruck „shared space“ zum Anlass, einen Ideenwettbewerb zur Einführung eines dafür geeigneten deutschen Begriffs durchzuführen. Die vorgeschlagenen Wörter „Gemeinschaftsstraße“ und „Begegnungszone“ werden nun oftmals anstatt des englischen Ausdrucks verwendet.

Januar 2012

  • Gerda Hasselfeldt, Chefin der CSU-Landesgruppe, sagte auf der Klausurtagung in Wildbad Kreuth, dass sich das Gewicht Deutschlands stärker in den europäischen Institutionen niederschlagen und in Europa außerdem noch mehr Deutsch gesprochen werden müsse. „Ich finde es nicht richtig, wenn selbst in Deutschland in manchen Gremien ganz selbstverständlich nur noch Englisch gesprochen wird.“   
  • Elf der 15 meistverkauften Alben des Jahres 2011 in Deutschland stammen von den deutschen Künstlern Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer, Unheilig, Rosenstolz, Tim Bendzko, Helene Fischer (zwei Alben) und Andrea Berg (ebenfalls zwei Alben). Eine Langzeitbeobachtung der Verkaufslisten von Media Control und Amazon hat ergeben, dass deutsche Musikhörer sogar durchschnittlich 20 bis 30 Prozent deutschsprachige Musik kaufen.   
  • Der Kultursenatorin im Hamburger Senat, Barbara Kisseler (parteilos), gefiel der geplante U-Bahn Haltestellen-Name „Chicago Square“ nicht und so erteilte sie diesem Namensvorschlag eine Absage. „Nach Ansicht der Kulturbehörde ist 'Square' keine passende Bezeichnung für einen Hamburger Platz“, so Kulturbehörden-Sprecher Enno Isermann.
  • Der Verein Deutsche Sprache e.V. hat die Siemens AG auf der Aktionärshauptversammlung am 24.1. in München für das Verzichten auf englische Fremdwörter gelobt. Siemens hatte nach Kritik des VDS die Sprache in eigenen Veröffentlichungen auf Anglizismen hin überprüft. Workshops heißen nun Arbeitstreffen, Joint Ventures wurden zu Gemeinschaftsunternehmen und aus dem Cross Sector Business wurde das Sektorübergreifende Geschäft.
  • „Ich liebe Deutschland und komme gerne hierher. Aber die Deutschen müssen endlich damit aufhören, ihre nationale Kultur mit Füßen zu treten. Wenn die Deutschen das nicht schaffen, ist meine letzte Hoffnung für Europa dahin. Ich glaube, die Deutschen haben noch nicht verstanden, welch ungeheure Bedeutung das deutsche Kulturerbe für sie selbst und für die ganze Welt hat. Ich kann mir diese Missachtung nur so erklären: Deutschland hat es noch nicht vollständig erfasst, wie wichtig seine Kultur für die gesamte zivilisierte Welt ist.“ (Der russische Regisseur Alexander Sokurow in einem 3sat-Interview anlässlich seines in deutscher Sprache gedrehten „Faust“-Films).